Tarzan ist wieder da PDF Drucken E-Mail

27.03.2006 / WAZ Lokales

Von Baum zu Baum im Schatten des Gasometer: 16 000 qm Hochseilgarten mit Kletter-Parcours eröffnet. Tarzan persönlich hätte sich nur unbedeutend geschickter anstellen können. Zahlreiche Besucher erklimmen Samstag zur Eröffnung die Wipfelwelt des Hochseilgartens im Schatten des Gasometers und hangeln sich von Baum zu Baum.
"Man weiß nie, was kommt, jeder Schritt fühlt sich anders an", sagt der 10-jährige Calvin, der scheinbar gut damit zurecht kommt, wenn die Kletterseile plötzlich ein merkwürdiges Eigenleben entwickeln und unkontrolliert hin und herschwingen. Besser als ein üblicher Abenteuerspielplatz sei der Hochseilgarten und - nicht besser, aber: mal etwas anderes, als den ganzen Tag vor der Play Station zu zocken.

Calvin zählt zu den Kids, die koordinativ noch eine Menge drauf haben. "Die werden nur leider immer weniger", merkt Martin Bürgers, einer der Geschäftsführer von "tree2tree". "Wir hatten eine Pfadfindergruppe mit Zwölfjährigen hier, und die hatten schon Schwierigkeiten, sich mit den Armen am Seil hängend, zentimeterweise fortzubewegen."
Ein anderes Bild zeigt sich am Eröffnungstag. Zügig und flink testen die kleinen Tarzane die Kinder-Parcours, die in einer überschaubaren Höhe von 1,5 und zwei Meter angelegt sind. Der Kletter-Parcours ist bewusst als Rundkurs aufgebaut, sodass Eltern ihre Kids beim Klettern gut im Auge behalten können.
Für die älteren Kletteranfänger und Fortgeschrittene sind auf den 17000 Quadratmetern derzeit 60 Plattformen angelegt, die zum Erkunden des Geästs einladen. Bis zu zwölf Meter hoch hängen tibetanische Burma-Brücken, Seilrutschen und Podeste.
Wie Kinder vor der Bescherung an Weihnachten steht manch einer im Wald und schaut in die Höhe. Kein Wunder, dass die Würstchen erst nach der Klettertour verspeist werden. "Natürlich hab ich ein gewisses Grummeln im Bauch, und die Beine fühlen sich wie Wackelpudding an", sagt einer der freien Mitarbeiter , der die Arbeit tatsächlich als Chance nutzt, seine Höhenangst zu besiegen. Das würde von Tag zu Tag besser. Welch mutige Therapie.

Ähnlich mutig geht auch Dirk Gaj, Sterkrader Trend-Friseur, an diesem Tag seiner Arbeit nach. In zwölf Metern Höhe kümmert er sich um die Haarkronen freiwilliger Baumbesteiger. Auf einer Fläche von zwei Quadratmetern will jeder Schritt so überlegt sein wie jeder Schnitt. Etwas zu weit - und er würde wie Spiderman am Seil abwärts schwingen. "Im Laden schneidet es sich schon besser", sagt Gaj, der trotzdem Spaß hat und stets auf der Suche nach neuen Haarschneide-Plätzen ist. "Definitiv sturmsicher sind aber nur die Frisuren heute."
Der Andrang ist riesengroß. Nicht nur, weil Events in der Natur gerade unheimlich hip sind, sondern wohl auch, weil viele Menschen sich nach Orten sehnen, an denen sie dem hektischen Alltag entfliehen können. Wie in einer solch magischer Höhenwelt.
Entsprechend klingt die Zukunftsmusik der geschäftsführer Martin Bürgers und Bela Kubick: Der Ausbau des Geländes nach und nach sowie ein Manager-Training sollen schon bald realisiert werden.
Und Tarzan? Ist wieder weg. online Mehr Fotos gibt es unter www.waz.de/oberhausen

Von Olivia Fischer

 
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