Hoch oben kraxelt RWO PDF Afdrukken E-mailadres

17.04.2007 / WAZ Lokales, Sport, Szene

Tim Reichert wäre am liebsten nach den ersten Metern wieder umgekehrt.

Es waren vielleicht fünf Höhenmeter, die Tim Reichert gestern aus der Fassung brachten. Diese fünf Höhenmeter nämlich trennten ihn im Hochseilgarten "Tree2Tree" vom Erdboden. Im Geschirr hängend jammerte er, er würde keinen Meter weitergehen - was er dann freilich doch tat. Schließlich hatten seine Mannschaftskameraden von Oberligist Rot-Weiß Oberhausen am Boden einen Heidenspaß und sparten nicht mit Spott - so macht ein Vereinsausflug Spaß.


In der Meisterschaft spitzt sich der Kampf um den Aufstieg immer weiter zu. Achtmal müssen die Rot-Weißen bis Anfang Juni noch antreten - für RWO-Coach Hans-Günter Bruns war die Einladung der Betreiber des Hochseilgartens im Schatten des Gasometers da eine willkommene Gelegenheit, zusammen mit dem Team nochmal einen entspannten Tag fernab von Toren, Punkten und Meisterschaft zu genießen und zugleich den Zusammenhalt der Spieler zu stärken - auch wenn die gestern das größte Vertrauen verständlicherweise nicht in ihre Kollegen, sondern lieber in die Seilschaft zwischen Stahlträgern und Karabinerhaken legten.

Die ganze Zeit über am mit sicherem Boden unter den Füßen: Der Trainer höchstpersönlich. "Ich da hoch? Ich habe mit tabellarischen Höhenflügen kein Problem, aber sonst ist das seit knapp zehn Jahren gar nicht mehr mein Ding, als mir bei einer Fahrt mit meiner Tochter auf dem CentrO-Riesenrad schwindlig wurde", sagte Bruns. Auch Dimitrios Pappas kam lieber in zivil - ohne freilich die spitze Zunge im Zaum zu halten. "Na Jungs, wie sitzen die String-Tangas?" witzelte der Abwehrspieler, als seine Kollegen das Sicherungsgeschirr anlegten.

Dem Dreifach-Torschützen vom Sonntag Tuncay Aksoy war es vorbehalten, als Erster in den Übungsparcours einzusteigen. Langsam, aber fehlerfrei absolvierte er den. Respekt vor den Teamkollegen - bis Keeper Christoph Semmler kam.

Vielleicht lag es ja daran, dass die Hobbykletterer genau wie ein Torwart Handschuhe bekamen, auf jeden Fall war es der 27-Jährige, der den ersten Höhen-Parcours im höchsten Tempo absolvierte. Tuncay Aksoy hingegen hangelte sich mühevoll entlang wackliger Seile von Baum zu Baum. "Trainer, ich bin jetzt schon verletzt", stöhnte er nach einem Kratzer am Bein. Doch Bruns lachte nur: "Toni, da wartet gleich noch was Feines auf dich."

Unendlich viele Passagen von Baum zu Baum weiter war Aksoy schließlich wieder sicher am Boden angekommen - und sichtlich stolz auf sich. "Wenn man bedenkt, dass wir in der Türkei ein siebenstöckiges Haus haben und ich nie aus der höchsten Etage runterschauen würde, war das schon ziemlich gut." Sprach's, klatschte mit den Teamkollegen ab und machte sich auf zum nächsten Parcours.

Keiner verletzt, umso mehr gelacht, alle waren am Ende zufrieden und ein paar Euro für die Mannschaftskasse kamen auch noch rum: Die musste Scout Dieter Schulitz zahlen, weil zwischendurch das Handy klingelte. Da half auch keine Karabiner-Sicherung mehr. Sonst bekommt er schon im Hochhaus Höhenangst, gestern hangelte er sich tapfer durch: Tuncay Aksoy. Als RWO im Dezember boxen ging, trumpfte Monir Ibrahim groß auf und auch auf dem Seil hatte er seinen Spaß. Eine wacklige Geschichte: Jeder Schritt erfordert die volle Konzentration Jan Steinbergs. Da ist Aufsteigen fast leichter.

Fotos: WAZ, Daniel Freudenreich

Von Christian Duyf

 
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